, von Stefan Leuenberger

Wir haben einen Ironman

Ironman Switzerland, Thun, Sonntag, 5. Juli 2026

Nach einer halbjährigen Intensivvorbereitung hat Marcel Jörg von der TVH-Wettkampftruppe am Sonntag bei heissem Sommerwetter eine sportliche Meisterleistung vollbracht. Der TV Huttwil hat damit fortan einen Ironman-Finisher. 3,8 km Schwimmen im Thunersee (1:12:26 Stunden), 180,2 km Radfahren in den Berner Alpen (5:24:18 Stunden) und zum Dessert 42,2 km Laufen, also einen Marathon (3:41:19 Stunden), schaffte der bald 37-jährige zweifache Familienvater in
10 Stunden 28 Minuten und 29 Sekunden. Damit belegte er von 1909 Finishern den starken 250. Rang. In der Altersklasse der 35- bis 39-jährigen Ironmans belegte das TVH-Mitglied den 41. Rang von 238 Athleten. Marcel Jörg wurde in Thun von seiner Familie, Freunden sowie seinem TVH-Kollegen Manuel Ritter vorbildlich betreut und unterstützt. 

«Ich bin sehr happy, obwohl es sehr hart war», sagt Marcel Jörg nach seinem ersten Ironman der Karriere. Ein halbes Jahr hat sich der TVH-Wettkampfathlet minutiös auf diese körperliche Höchstprüfung vorbereitet. Ausgerechnet in den drei Wochen vor dem Wettkampfdatum am 5. Juli hatte «Märsu» mit einer hartnäckigen Erkältung zu kämpfen. Der Schnupfen und vor allem der starke Husten verunmöglichten das seriöse Training. «Umso mehr bin ich happy, dass ich meine gesteckte Zielsetzung von 10 Stunden und 30 Minuten erreichen konnte», meint der zweifache Familienvater. Die 3,8 km lange Schwimmen am frühen Sonntagmorgen im Thunersee war schon eine grosse Challenge. «Kurz vor dem Start begann es zu winden. Dies sorgte für einen halben Meter hohe Wellen», schildert «Märsu». Die ersten 300 m mussten exakt gegen die Wellen geschwommen werden. «Ich konnte nur im Bruststil schwimmen und habe so viel Wasser geschluckt», berichtet Jörg. Immer wieder musste er um Luft ringen - auch, weil er wieder mit Hustenanfällen zu kämpfen hatte. So wurde das Schwimmen zur Tortur. «Ich hatte mir für das Schwimmen 1:10 Stunden zum Ziel gesetzt - im flachen Gewässer natürlich. So war ich dann über die erreichten 1:12 Stunden überrascht und aufgrund des Wellengangs sehr zufrieden.» Für die 180 km lange Radstrecke (zwei Runden) hatte sich Marcel Jörg fünfeinhalb Stunden Fahrzeit vorgenommen. «Ich bin zu schnell angegangen. Die erste Runde absolvierte ich in 2:36 Stunden, was eine Endzeit von 5:12 Stunden ergeben hätte. Bei Kilometer 125 hatte ich dann etwa 20 km lang ein tief. Der Tritt wurde schwer, und ich musste immer wieder in einfachere Gänge schalten», so der «Huttu-Turner», der seit Jahrzehnten an Wettkämpfen für den Turnverein Huttwil Spitzenklassierungen erzielt. Plötzlich war der Druck auf den Pedalen wieder da. Bei Kilometer 160 gab es dann für «Märsu» noch einen kurzen Zwangsstopp. «Ein Bienchen hatte sich in meinem Helm verirrt und ist in meinen Haaren herumgelaufen.» Mit 5:24 Stunden konnte Marcel Jörg trotz all dieser Ereignisse und Krisen seine gesteckte Zielsetzung um knapp sechs Minuten unterbieten. Beim zweiten Wechsel musste er kurz einen WC-Stopp einlegen, der etwas Zeit kostete. Dann nahm der Fighter, der an der Strecke von TVH-Kamerad Manuel Ritter sowie seiner Ehefrau Jelena und den Kindern Luca und Mia sowie einem grossen Fantrupp aus Familienmitgliedern und Freunden unterstützt wurde, zum Dessert den Marathon über 42,2 km in Angriff. Beim Laufen hatte Jörg einen guten Start und auch ein gutes Gefühl. Nach 14 km begannen aber die Oberschenkel so richtig zu schmerzen. «Bis zum 20. Kilometer konnte ich die Pace noch halten», erzählt Jörg. «Dann waren die Schmerzen fast unerträglich. Ich musste alles geben, um überhaupt einen Kilometerschnitt von 5:30 Minuten halten zu können. Es war ein langes Leiden. Im Kopf hatte ich aber immer meine Endzeit.» Und «Märsu» ist seit jeher bekannt für seine Nehmer- und Leidensqualitäten. Wenn andere längst aufgegeben haben, lässt der gebürtige Dürrenrother nicht locker. Diese Mentalität sorgte dafür, dass er sein gestecktes Ziel in seinem allerersten Ironman unterbieten konnte. Jubelnd und mit sich im Reinen überquerte «Märsu» nach 10 Stunden 28 Minuten und 29 Sekunden die Ziellinie. «Mein bisher härtestes Rennen. Aber ich bin glücklich, es absolviert zu haben.»
Von 1909 Frauen und Männern, die finishten, belegte Marcel Jörg den 250. Rang. In seiner Altersklasse 35 bis 39 Jahre reichte dies zum starken 41. Rang. 

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